OSS 117 – Liebesgrüße aus Afrika

Ob James Bond, Ethan Hunt oder Harry Palmer: Spannende Abenteuer um Geheimagenten und Spione locken seit jeher Alt wie Jung zielsicher vor die Bildschirme. Das gilt übrigens ebenso für das Geschwistergenre der Spionage-Parodien. Mit OSS 117 – LIEBESGRÜßE AUS AFRIKA geht die ebenso beliebte weil politisch inkorrekte Agenten-Posse aus Frankreich in die dritte Runde. Aber kann und darf ein Film über einen rassistischen wie frauenfeindlichen Agenten heutzutage noch unterhalten? 

DIE HANDLUNG VON OSS 117 – LIEBESGRÜßE AUS AFRIKA

Agent OSS 117 ist zurück! Nach der Rückkehr aus sowjetischer Gefangenschaft muss Hubert Bonisseur de La Bath (JEAN DUJARDIN) sich nicht nur mit den technischen Neuheiten, sondern auch dem Agentennachwuchs OSS 1001 (PIERRE NINEY) auseinandersetzen. Prompt droht auch schon die nächste Krise: Die Sowjets sollen die Demokratisierung einer ehemaligen französischen Afrika-Kolonie unterwandern. Ein Fall für OSS 117!

VOR BOND KAM LA BATH

Bereits 1956 half Agent OSS 117 einer hilfesuchenden Dame bei der Suche nach gestohlenen Geheimunterlagen. Es folgten noch sieben weitere Filmadaptionen um Jean Bruces 1949 erfundene Romanfigur, die angeblich Bond-Schöpfer Ian Fleming geprägt haben soll. Doch Anfang der 1970er-Jahre wurde es still um den stets adretten Franzosen. Erst 2006 hauchte MICHEL HAZANAVICIUS (THE ARTIST) dem eingemotteten Spion mit OSS 117 – DER SPION DER SICH LIEBTE wieder Leben ein – wenn auch anders als erwartet.

Als waschechte Parodie auf das klassische Spionage-Genre angelegt, chauvinierte sich der damals noch unbekannte JEAN DUJARDIN quer durch Kairo. 2009 verschlug es den omnipotenten Bond-Verschnitt weiter ins sonnige Rio. Dort musste er – sichtlich verdutzt – erstmals mit einer selbstbewussten israelischen Agentin zusammenarbeiten. Doch nach der kongenial hommagesken Wiederbelebung wirkte der zweite Film OSS 117 – ER SELBST IST SICH GENUG beinahe erschreckend verbraucht. Das hinderte Dujardin jedoch nicht daran, spätestens mit seiner Bravourleistung in THE ARTIST zum gefragten Weltstar zu reifen. 16 Jahre später schlüpft der gebürtige Pariser noch einmal in den Maßanzug – und wirkt, als wäre er nie weg gewesen.

KOLONIALGESCHICHTE MAL ANDERS

Statt MICHEL HAZANAVICIUS nimmt in OSS 117 – LIEBESGRÜßE AUS AFRIKA der französische Nachwuchsregisseur NICOLAS BEDOS auf dem Regiestuhl Platz. Stammautor JEAN-FRANÇOIS HALIN schickt er den gealterten Top-Agenten nach Zwischenstopp in sowjetischer Gefangenschaft auf eine diplomatische Mission ins afrikanische Françafrique. Und wer OSS 117 kennt, ahnt bereits, was folgen wird. Mit unerschütterlichem Selbstbewusstsein beladen, lässt der eitle Franzose kaum ein kulturelles Fettnäpfchen aus. 

Halin wühlt bei OSS 117 – LIEBESGRÜßE AUS AFRIKA tief in der Kalauerkiste, die jedoch gerade durch ihre Unzeitgemäßheit erfrischend wirken. Zudem bewahren die Macher einen wichtigen humoristischen Aspekt der Reihe: Die Entlarvung. OSS 117 kommt zwar aus jeder Situation mühelos und unversehrt heraus, seine (un)bewusst abfälligen Kommentare und verbalen Rettungsversuche fixiert die Kamera jedoch umbarmherzig in der Nahaufnahme. Diese (für den Zuschauer) schmerzhafte Penetranz enttarnt so La Baths schier grenzenlose Taktlosig- wie Einfältigkeit, verharmlost sie jedoch nie. Bereits die beiden Vorgängerfilme haben so die rassistischen wie sexistischen Macken der Bond-Filme schlicht aufgedeckt und ad absurdum weitergesponnen.

Deutsche Anhänger der Reihe dürfen zudem Jubeln. Fernsehkritik-Urgestein OLIVER KALKOFE sowie Synchronveteran FRANK SCHAFF haben sich bereits zum dritten Teil für die deutsche Lokalisierung zusammengetan. Das gelingt auch gewohnt unterhaltsam, lediglich ein Witz über die Eignung der deutschen Sprache für die Tierabrichtung will nicht zünden. Das macht Kalkofe mit der gewohnt souveränen Vertonung JEAN DUJARDINs (inklusive markanter Lache) aber wieder wett.

DER FLUCH DES ALTERS

Neben rachsüchtigen Sowjets und durchtriebenen Autokraten muss es OSS 117 noch einem weitaus gefährlicheren Feind aufnehmen: Dem Alter. Die einst rauschhaften Nächte mit schmachtenden Schönheiten sind passé, schwindende Männlichkeit die neue Realität. Er gelangt in OSS 117 – LIEBESGRÜßE AUS AFRIKA schlussendlich zur Erkenntnis, dass seine besten Jahre längst hinter ihm liegen. Kein Wunder, dass es die aufreizende Hotelmanagerin Micheline (NATACHA LINDINGER) in die potenten Arme des Nachwuchsagenten OSS 1001 (PIERRE NINEY) treibt. Diese Rivalität der Generationen zieht sich allerdings langatmig durch den gesamten Film, was gerade im Mittelteil stark ausbremst und unnötig streckt.

Absoluter Höhepunkt ist und bleibt jedoch JEAN DUJARDIN. Trotz seiner mittlerweile 61 Jahre besitzt dieser immer noch eine vereinnahmende Strahlkraft, die er durch sein perfektes Dauergrinsen herrlich übersteigert. Schauspielerisch fordernd erscheint das nicht, das braucht es aber auch nie. Die Rolle schien ihm bereits seit Beginn wie auf den Leib geschneidert, weshalb Dujardin stets entspannt und leichtfüßig durch das Setting stolziert.

OSS 117 – LIEBESGRÜßE AUS AFRIKA wirkt aufgrund seines derben und aneckenden Humors zunächst wie ein filmischer Anachronismus. Der Film entpuppt sich aber letztlich als erfrischend inkorrekte Spionage-Parodie mit entlarvender Wirkung gegenüber rassistischer wie sexistischer Denke. JEAN DUJARDIN schlüpft nach 16 Jahren erneut in seine Paraderolle, die er behände wie charmant ausfüllt. Zwar wirkt La Baths Kampf mit dem jungen Rivalen sowie dem eigenen Alter oft zu penetrant und langatmig. Das macht aber nichts, denn dem Lächeln von Frankreichs Top-Agent kann einfach niemand widerstehen.

Titel: OSS 117 – Liebesgrüße aus Afrika (OT: OSS 117: Alerte rouge en Afrique noire)
Regie: Nicolas Bedos
Besetzung: Jean Dujardin, Pierre Niney, Fatou N’Diaye, Natacha Lindinger, Wladimir Yordanoff
Drehbuch: Jean-Francois Halin
Laufzeit: 1h57m

Veröffentlichung: 09.12.2021 (erschienen bei Koch Films)
Kaufversionen: Blu-ray (Einzelfilm) / Blu-ray (Komplette Trilogie)
Quelle: imdb.com

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.