Black Friday – Überlebenschance stark reduziert!

Filme über den Black Friday, den Startschuss der Weihnachtssaison, gibt es viele. Ob als Familiendrama, Horrorslasher oder auch mal Musical: Stets steht der kapitalistische Kaufwahnsinn im Mittelpunkt. Amazon Prime veröffentlicht passend zur diesjährigen Shopping-Orgie die Horrorkomödie BLACK FRIDAY – ÜBERLEBENSCHANCE STARK REDUZIERT, in der die Mitarbeiter eines Spielzeuggeschäfts neben dem Kundenansturm auch eine Horde Untoter abwehren müssen. Taugt das zur Spaßgranate oder doch nur Rohrkrepierer? In meiner Kritik erfahrt Ihr’s.

Es ist der Abend des großen Black-Friday-Sales im Spielzeugladen We Luv Toys. Ken (DEVON SAWA) und seine Kollegen (u.a. MICHAEL JAI WHITE, IVANA BAQUERO, RYAN LEE) bereiten sich auf die wildeste Nacht des Jahres vor. Dieses Mal nimmt der Wahnsinn aber einen besonders unerfreulichen Verlauf: Nicht nur, dass Ken und seinem Team der Feiertagsbonus gestrichen wird. Ein merkwürdiger Parasit verwandelt die Kunden auch noch in blutrünstige Tötungsmaschinen.

KONSUMIEREN, BIS DIE KREDITKARTE GLÜHT

Wer liebt sie nicht: Die Feiertage. Die Familie kommt zusammen, um in Bescheiden- und Dankbarkeit die familiären Bande zu stärken und Mitmenschen etwas Gutes zu tun. So oder so ähnlich sollten Feiertage eigentlich sein. Doch Pustekuchen: Gigantische Fressgelage, Geschenkorgien und Zankereien bilden die Grundpfeiler der modernen Kommerzfestlichkeit. Und wer sich ihr entziehen will, zieht einen tausendjährigen Familiengroll auf sich.

Doch die Feiertage haben auch immer einen positiven ökonomischen Effekt. Zwischen Ende November und Ende Dezember macht der Einzelhandel einen Großteil seines Jahresumsatzes. Darum versuchen die Geschäfte mit Angebotswellen potentielle Kunden zu locken. Als Startschuss gilt gemeinhin der Black Friday, der Folgetag auf das Erntedankfest. Häufig trifft man dann auf Menschen, die bereits Stunden vor Öffnung mit Zelt und Co. vor den Ladentüren lagern. Leidtragende sind meist die überforderten Mitarbeiter, die schlecht bezahlte Überstunden schieben dürfen. Und natürlich deren Familien, die das Familienwochenende unvollständig einläuten müssen.

Nachwuchsregisseur CASEY TEBO stammt aus der Musikvideobranche, wo schon andere hochkarätige Filmemacher wie DAVID FINCHER, MARC WEBB oder MICHEL GONDRY begonnen haben. Als erste Details zu seinem ersten Spielfilmprojekt BLACK FRIDAY – ÜBERLEBENSCHANCE STARK REDUZIERT durchsickerten, waren Filmbegeisterte weltweit sicherlich verblüfft. Ein Neuling darf direkt mit einem namhaften Cast um Genre-Lieblingen wie BRUCE CAMPBELL, MICHAEL JAI WHITE und DEVON SAWA arbeiten? Die Erwartungen waren entsprechend höher als sie für solch eine kleinbudgetierte Amazon Exclusive-Produktion sein sollten. Aber eine charmante Low-Budget-Horrorkomödie dürfte dabei doch rumgekommen sein, oder? Meine Antwort: Leider nein.

KEIN ESPRIT, KEINE IDEEN

Das Grundszenario von BLACK FRIDAY um den Angriff von Untoten/Verseuchten/Monstern auf ein verrammeltes Kaufhaus ist definitiv kein neuer Wurf, haben doch bereits DAWN OF THE DEAD, CHOPPING MALL oder DER NEBEL diesen Topos ausgiebig bespielt. Umso mehr erwartet man also frische Ideen, um nicht komplett im „Schon-mal-gesehen“-Sumpf zu versinken. Drehbuchautor ANDY GRESKOVIAK macht jedoch keinerlei Anstalten, den Morast zu umschiffen und steuert zielgenau an die tiefste Stelle. Flache Figuren bis in die hinterste Bank, furchtbar altbackende wie unlustige Dialogwitze und ein schon x-mal gesehener Spannungsbogen lassen BLACK FRIDAY – ÜBERLEBENSCHANCE STARK REDUZIERT zu jedem Zeitpunkt wie eine hingerotzte Copypaste-Produktion wirken.

Der außerirdische Parasit als Ursache der Katastrophe wird durch einen zehnsekündigen Nachrichtenschnipsel erklärt und eingeführt, scheinbar sollte das reichen. Wie der pinke pulsierende Schleimklumpen überhaupt im Spielzeugladen gelandet ist, wird ebenfalls im Dunkeln gelassen. Es könnte auch egal sein, wenn zumindest die Konsequenzen seiner Anwesenheit spaßig, brutal oder sonstwie unterhaltsam wären. Sind sie aber nicht.

Die Monster/Mutanten/Untoten (oder so ähnlich) funktionieren als Hybrid aus ZACK SNYDERs flinken Zombiehorden und den entstellten Kannibalen aus WRONG TURN. Sie schreien, springen und kotzen was das Zeug hält. Allerdings ist das einzige, worüber man sich gruselt, die furchtbar uninspirierte Inszenierung der Attacken. Die Designs und Masken stammen aus der Schmiede von Special-Makeup-Legende ROBERT KURTZMAN. Die unterschiedlichen Verwandlungsstufen sorgen so immerhin für einige Schauwerte. Die Belegschaft setzt sich zwar mit Spielzeug, Etikettiermaschinen und anderer Improbewaffnung zu Wehr, kreativ nutzt das BLACK FRIDAY – ÜBERLEBENSCHANCE STARK REDUZIERT jedoch nie aus.

PAYCHECK DURCH UND DURCH

Selbst die Schauspieler wirken erschreckend holzig und lustlos. Lediglich MICHAEL JAI WHITE mit seiner wuchtigen Physis und dem miesgelaunten Badass-Gesicht darf ordentlich Prügel verteilen. Nur, um nach knapp 35 Minuten aus dem Spiel genommen zu werden. Selbst Sympathiegranate BRUCE CAMPBELL kann mit ergrautem Schnauzbart und braunem Wolljäckchen inklusive Fliege kaum Witz oder Charme in seinen Szenen einstreuen, was nochmal für die furchtbare Qualität des Drehbuchs spricht. So muss man sich in der zweiten Hälfte zudem noch mit langweiligen Gruppenzoffereien und Versöhnungsgesprächen begnügen, die noch schnell Pseudobotschaften zur Nächstenliebe und gegen den Konsumwahnsinn unterbringen.

BLACK FRIDAY erweist sich als schlampig hinproduzierter Dienst nach Vorschrift, der sein altgedientes Setting weder mit neuen Ideen aufpeppt noch die Stärken artverwandter Filme gekonnt replizieren kann. Das Potenzial des namhaftes Casts wird komplett verheizt, weshalb er lustlos von einer Szene zur nächsten schlurft und wahrscheinlich insgeheim gehofft hat, dass diese Paycheck-Tortur bald zu Ende ist. Mein Tipp: Schaut lieber etwas anderes oder spielt Monopoly mit eurer Oma, davon habt ihr mehr.

Titel: Black Friday – Überlebenschance stark reduziert (OT: Black Friday)
Regie: Chasey Tebos
Darsteller: Bruce Campbell, Devon Sawa, Michael Jai White, Ryan Lee, Ivana Baquero
Drehbuch: Andy Greskoviak
Laufzeit: 1h24m

Veröffentlichung: 24.11.2021 (Amazon Prime Video)
Quelle: imdb.com

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